Weinheim Kammerchor – Die Hoffnung liegt auf dem Sommer 

Januar 2021 Gespräch mit Norbert Thiemel, Leiter des Pop- und Jazzchors sowie des Weinheimer Kammerchors, über eine schwere Zeit

 

Weinheim. Mit der Corona-Krise kam die Kultur und somit auch die Chorarbeit zum Erliegen, darunter auch die des Pop- und Jazzchors Weinheim, dessen Leiter Norbert Thiemel deichzeitig auch für den Weinheimer Kammerchor zuständig ist. Unsere Zeitung sprach mit dem Musikpädagogen, der in Fachkreisen auch als dynamischer Jazz-Pianistin gilt.

2002 übernahm er den Pop- und Jazzchor von Oxana Schmiedel, einer klassischen Pianistin. Gegründet wurde der Chor bereits 1994 an der Musikschule Badische Bergstraße von Jazzpianist Jens Schlichting.

Das anspruchsvolle Konzertauftritte harte Probenarbeit erfordern, war für Norbert Thiemel von Anfang an selbstverständlich. Diese Auffassung ging auch auf die Sängerinnen und Sänger über. Thiemel erarbeitete mit seinem Chor ein neues Repertoire aus Jazzstandards und Popsongs, aber auch beliebte Stücke aus älteren Programmen wurden übernommen. Der Chor wuchs auf rund 65 Sängerinnen und Sänger. Jeden 2. Montag wurde ab 20 Uhr im Andachtsraum des Bodelschwingh-Heimes in Weinheim geprobt bis im März letzten Jahres der erste Lockdown kam.

Norbert Thiemel hatte zunächst die Idee, dass die Chorsänger ihre Stimmen zuhause zum Abspielen einer Chor-Aufnahme trainieren sollten. Da keine befriedigenden Ergebnisse zustande kamen, entschied man sich in einer gemeinsamen Videokonferenz, die Proben nach draußen zu verlegen. Doch da es noch sehr früh dunkel wurde und dazu noch recht kühl war, beschloss Thiemel, mit den einzelnen Stimmgruppen im Proberaum zu arbeiten. Das ging gut, bis im November der zweite Lockdown kam, der das gut eingespielte Probesystem wieder unterbrach. Daher blieb nur das absolute Pausieren und den Frühling 2021 abzuwarten, um dann wieder draußen zu singen.

Verhaltener Optimismus

„Bevor der Chor wieder mit seinen Proben beginnt“, sagt Thiemel, „muss jede Stimmgruppe oder alternativ ein Heimstudium mit einer Mitsing-Aufnahne absolvieren“. Motivierend sollte die Aussicht auf ein gemeinsames Live-Singen in absehbarer Zeit sein. „Doch in Anbetracht der alarmierenden Infektionszahlen und Todesfälle ist diese Aussicht wieder in weite Feme gerückt“, bedauert der Chorleiter.

Mit verhaltenem Optimismus setzt er jetzt auf den 4. Juli 2021. An diesem Tag sind mehrere sogenannte „Statt-Konzerte“ unter freiem Himmel an verschiedenen Plätzen in Weinheim geplant. Der Pop- und Jazzchor will an diesem Tag statt eines ursprünglich geplanten gemeinsamen Konzertes mit dem Rhein-Neckar-Jazz-Orchester kleine Konzerte mit verschiedenen A-cappella-Jazzsongs geben.

Von der Pandemie ist auch Thiemels zweites Projekt, der Weinheimer Kammerchor betroffen. Ein Chor, der ebenfalls auf eine lange Tradition zurückblicken kann, wurde er doch bereits kurz nach Kriegsende von dem Weinheimer Musikpädagogen Fritz Oberst gegründet und 1985 von seiner Tochter Juliane übernommen.

Lm Jahr 2014 gab sie den Dirigentenstab weiter an Norbert Thiemel. Werke großer Meister der italienischen Renaissance wie Monteverdi, Gabrieli und Palestrina nehmen einen großen Raum im Repertoire des Kammerchors ein.

Für Mai 2020 hatte Thiemel mit seinem Chor die Premiere seines Programms „LeidenSCHAFT Freude?“, eines fast weltlichen A-Cappella-Programms mit Rezitationen, geplant. Sollte es zum Tag der „Statt-Konzerte“ kommen, wird der Kammerchor Ausschnitte aus diesem Programm vortragen.

„Natürlich ist meinen Chormitgliedern bewusst, dass sie als Hobbysänger von der Krise weit weniger betroffen sind als jene Künstler, deren Existenzen von Konzerten und Festivals abhängen, trotzdem fehlen ihnen die Proben, das gemeinsame Singen auf der Bühne und nicht zuletzt die starke Gemeinschaft untereinander“. Das gilt für beide Chöre, mit denen Norbert Thiemel arbeitet. Und das tut er mit großer Leidenschaft, wie er sagt. rav

Da war die Welt noch in Ordnung: der Pop- und Jazzchor posiert – noch vor der Crona-Pandemie – beim letzten Probenwochenende. BILD: ULLA KARNASCH